Biografie Fritz Heinzmann

Ein Pionier der ersten Stunde des biologischen Landbaus im Chiemgau. Fritz Heinzmann, geboren am 2. Januar 1912 in Konstanz am Bodensee, Sohn des Architekten Friedrich Heinzmann und der Schweizerin Maria Keller aus Winterthur. Seine Mutter war diejenige, die ihn für die Anthroposophie begeisterte. Sie war Mitglied bei der anthroposophischen Christengemeinschaft und interessierte sich schon damals für die Philosophie von Dr. Rudolph Steiner. Durch die Liebe zur Natur und zu den Pferden war bei Fritz Heinzmann eine berufliche Richtung gleich vorgegeben. Er wollte Landwirt werden und suchte nach Biologisch-dynamischen Höfen. Einer der ersten war der Hof von Ernst Jacoby im Schwarzwald. Ein Ort, an dem er seine erste Frau Gabriele geb. Finsterlin kennen lernte. Die Teilnahme am zweiten Weltkrieg unterbrach seine berufliche Laufbahn, doch seiner Liebe zu den Pferden konnte er bei der bespannten Atellerie treu bleiben. Nach kurzer Gefangenschaft konnte er sich wieder der Landwirtschaft zuwenden. Das Schicksal spielte bei Fritz Heinzmann eine große Rolle. Nach dem Krieg zerbrach seine Ehe mit Gabriele. Zwei Kinder, Johannes und Michael, die aus dieser Ehe hervor gingen wollten versorgt werden. Gabriele ging nach Stuttgart auf den Frauenkopf um ihren Kindern den Besuch einer Waldorfschule zu ermöglichen. Fritz suchte sich einen Bauernhof auf dem er seine Vorstellungen verwirklichen konnte. 1949 wurde er im Chiemgau fündig. Ein Darlehen für den Kauf erhielt er von seinem ehemaligen Schwiegervater, dem Kunstmaler Helmut Finsterlin. Zur Hofstelle Hochholz, die er im Sommer 1949 während der Ernte mit lebendem und totem Inventar übernahm, gehörten Felder und Wiesen, etwas Wald und einen Torfstich. Er begann sofort zu arbeiten. Mit einem Ochsen und einer Kuh zum einspannen ging es los. Es gab keinen Strom, nur Karbid sorgte für das Licht und ein Dieselaggregat trieb die Dreschmaschine oder den Heugreifer an. Die paar Kühe wurden mit der Hand gemolken und die Milch zu Butter verarbeitet und neben Eiern auch auf dem Markt in Rosenheim verkauft. Als Verkehrsmittel diente das Fahrrad. Am 20. Mai 1950 heiratete Fritz zum zweiten Mal. Seine zukünftige Frau Annemarie, geborene Griehl, hatte er bei der befreundeten anthroposophischen Familie Friedrich in Rauch im Holz bei Rosenheim kennensgelernt. Sie war die Tochter des Kunstmalers Arthur Griehl und Meisterin der Ländlichen Hauswirtschaft. Annemarie bewirtschaftete während des Krieges den Bergbauernhof Vordere Rechenau beim Tatzelwurm am Sudelfeld. Nach der Rückkehr ihres Zwillingsbruders Fritz Griehl überlies sie ihm den Hof. Aus dieser Ehe entstanden drei Kinder: Werner *10. November 1953, der kurz nach der Geburt verstarb (+18. Nov.), Walter * 7. Oktober 1956 und Ilse *16. April 1958. Die Arbeit als Bauer war sein Lebenselixier. Die Verbindung zu Gleichgesinnten war in dieser Zeit kaum möglich. In der Nähe gab se nur die Familie Ackermann in Kasten bei Unterreit. Die Teilnahme an Vorträgen über Biologisch-dynamischer Landwirtschaft und eine Weiterbildung in der Geisteswissenschaft war ihm schwer möglich. So hielt er brieflichen Kontakt zu vielen Gefährten und gelegentlich erlaubte er sich eine Fahrt nach Dornach in die Schweiz oder nach Stuttgart. Auch der Kontakt zu seiner ersten Ehefrau Gabriele und den beiden Buben, die in der Zwischenzeit ein antroprosophisches Kinderheim gegründet hatte, war ihm sehr wichtig. Hier konnte er auftanken und diskutieren. Sein ehemaliger Schwager war der Gründer und Herausgeber der anthroposophischen Zeitschrift Erde und Kosmos. In Hochholz ging es voran. Pferde ersetzten Kuh und Ochse, der Anschluss an das Stromnetz erfolgte und erst 1962 kam der erste Traktor auf den Hof. Als einer der Ersten in der Region baute er Mais an. , Doch seine Liebe zu den Pferden war ungebrochen, Haflinger, Shetland-Ponys und sogar eine Lippizanerstute leistete er sich. Die Pferde wurden auch weiterhin in der Landwirtschaft eingesetzt. Die Nachbarskinder standen vor der Haustüre, selbst aus der nahen Stadt Wasserburg kamen die Reiterinnen, die kaum über den Küchentisch blicken konnten. Reiten war ihr großes Ziel und da gab es nur einen, den Herrn Heinzmann. Da konnte man auch mit der Ponykutsche fahren oder im Winter mit dem Schlitten. Das Jungvolk brachte viel Leben in den Hof und somit auch die ersten Abnehmer für die Bio- Produkte wie Milch, Kartoffeln, Getreide, Eier und Geflügel. Bis dahin wurden die biologisch erzeugten Lebensmittel ganz normal verkauft. Getreide und Kartoffeln wurden angebaut, alles natürlich im Kleinen, denn sein Acker war nicht groß. Der viele Regen lies auch die Unkräuter gut gedeihen. Der Roggen „Martin Schmitt“ aus der Demeter-Saatzucht in Grub wurde zwei Meter hoch und lag nach den schweren Sommergewittern am Boden. Die Unkräuter suchten sich ihren Weg durch die Ähren. Sein Nachbar, Balthasar Hofmeister, drosch das Getreide, und schüttelte den Kopf, als wolle er sagen, da gibt es doch andere Möglichkeiten der Bewirtschaftung! Doch das wollte Fritz Heinzmann nie. Seine Überzeugung und sein Idealismus ließ ihn bis zu seinem Tode am 4. Mai1983 nicht los. Er war einer den wir heute einen Pionier nennen, damals war er für viele ein Spinner und Träumer. Seine einzige Sorge, auch im Alter war, wie es mit seinem Lebenswerk weiter geht. Wusste er doch sehr genau, wie schwer es war, von einem inzwischen als zu klein geltenden Hof eine Familie zu ernähren. Doch die Zeit spielte für ihn. Sein Sohn Walter, der erst Drucker gelernt hat und dann ebenfalls seine Leidenschaft für den Bio-Landbau entdeckt hat, übernahm den Bio-Hof in die zweite Generation. Fritz Heinzmann, der erste Bio-Bauer in der Region, von dem nur wenige wussten, was er da in Hochholz machte. Der auch seinen Kindern den Weg zeigte und die in seine Fußstapfen traten. Sein Sohn aus erster Ehe, Johannes, ist in Überlingen an der Waldorfschule als Gartenbaulehrer tätig. Sohn Walter gründete eine Familie und führt den Hof fort und engagiert sich im Bioland-Verband. Tochter Ilse gründete 1981 den ersten Bioladen in Prien am Chiemsee und lebt heute mit ihrem Mann Thomas und den 4 Buben in Oberfranken. Hiermit möchte ich auch als Schwiegertochter danke sagen. Die Jahre mit uns zweien waren nicht immer einfach, aber es hat sich gelohnt, auf vielen Ebenen. Es war eine gute Idee, Fritz!
Deine Schwiegertochter Marliese;
Im August 2006

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